Erkältungsmittel bei Kindern - die unbekannte Gefahr
vom 10.02.2008

Erkältungen sind die häufigste und glücklicherweise meist banale Ursache von Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Viele glauben, dass bei verstopfter Nase abschwellende Nasentropfen oder bei Husten ein "Hustensaft" gegeben werden müssen. Diese Ansicht ist nicht ungefährlich. Hausmittel wie Wickel, Tees oder auch Koch- bzw. Meersalznasentropfen führen oft schon zu einer Linderung und sind ungefährlich. Werden die Probleme aber belastend, weil das Kind z. B. bei Schlaf oder Nahrungsaufnahme erheblich gestört ist, ist der Arzt gefragt. Nicht selten verbergen sich hinter "ständigen Erkältungen" Allergien oder Asthma.

Aus Anlass von drei Todesfällen warnt die amerikanische Zulassungsbehörde FDA vor der Verordnung von Erkältungs- oder Hustenmitteln an Kinder unter 2 Jahre. In dieser Altersgruppe gebe es für die meisten Wirkstoffe weder Erkenntnisse zur Toxizität, noch verlässliche Dosisempfehlungen. Auch die Wirksamkeit vieler Medikamente sei bei Kindern nicht belegt. Medikamente zum Abschwellen der Nasenschleimhaut, Antihistaminika, Hustenmittel und Expektoranzien, oftmals rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, werden immer wieder bei Kleinkindern eingesetzt, ohne dass sich Eltern der damit verbundenen Gefahren bewusst sind. Die Folge sind Notfallaufnahmen wegen Überdosierungen, zu denen es laut FDA und den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA von 2004 bis 2005 in 1.519 Fällen gekommen ist. Nun mag die Verfügbarkeit solcher Medikamente in Deutschland geringer oder die Einstellung der Eltern hierzulande kritischer sein. Dennoch muss man eingestehen: für Deutschland liegen keine Zahlen vor.

Bei den drei in den USA verstorbenen Kindern hatten Gerichtsmediziner toxische Konzentrationen von Pseudoephedrin (ein Nasenschleimhaut abschwellender Wirkstoff) festgestellt. Die Serumkonzentrationen lagen um den Faktor 9 bis 14 höher, als nach der für Kinder im Alter von 2 bis 12 Jahren empfohlenen Dosierung zu erwarten gewesen wäre. Zwei der drei Kinder hatten außerdem Dextromethorphan, ein Antitussivum, und Paracetamol erhalten. Bei einem dieser Kinder wurde als viertes Erkältungsmittel das Antihistaminikum Doxylamin nachgewiesen. Die Eltern hatten verschreibungspflichtige und rezeptfrei erhältliche Medikamente kombiniert. Die Gerichtsmediziner betrachteten in allen Fällen eine Intoxikation mit den Husten- und Erkältungsmitteln als Todesursache.

Die tödlichen Risiken von Hustenmedikamenten bei Kleinkindern sind im Prinzip bekannt. Die Leitlinien des American College of Chest Physicians warnen davor. Eine Leitlinie der American Academy of Pediatrics zieht außerdem den therapeutischen Wert von Antitussiva bei Kleinkindern infrage.

Erkältung (Kinderärzte im Netz)

Hustenmittel richtig dosieren (Kinderärzte im Netz)

USA: keine OTC-Medikamente für Kinder unter 2 Jahren

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